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Seminar Weiterentwicklung des liechtensteinischen Gesundheitswesens

Die demografischen, kulturellen, technologischen und wirtschaftlichen Umbrüche werden auch im liechtensteinischen Gesundheitswesen zu neuen Herausforderungen führen. Gesundheitsleistungen und -berufe verändern sich, neue entstehen, andere werden möglicherweise verloren gehen oder neue Rollen im Versorgungssystem einnehmen. Dies kann leicht zu Konflikten und Statuskämpfen zwischen und innerhalb der Berufsgruppen führen und die Strukturen des Gesundheitswesens beeinflussen.

Das Seminar soll in einem «bottom up» -Ansatz die Vorschläge der Leistungserbringer systematisch aufnehmen. Diese bieten die Basis für die weitere Arbeit in der Politik und in den Verbänden. Die direkt Betroffenen (Versorger/Patienten) sollen damit künftige Entwicklungen massgeblich mitentwickeln können. Die Initiative ist ein Angebot an die Organisationen, sich in einem offenen Dialog an der Weiterentwicklung des liechtensteinischen Gesundheitswesens zu beteiligen.

Neue Impulse

Als Kleinstaat kann Liechtenstein die Gesundheitsversorgung seiner Bevölkerung nicht alleine sicherstellen. Vor allem für Leistungen der spezialisierten und der Spitzenmedizin ist man vom Ausland abhängig. Im Bereiche der Grundversorgung weist Liechtenstein im internationalen Vergleich eine relativ hohe Versorgungsdichte und Inanspruchnahme von Leistungen auf. Da in Zukunft aufgrund der Altersstruktur, der Zunahme an chronischen Erkrankungen und der hohen Erwartungen an das Gesundheitswesen der Versorgungsbedarf eher zunehmen wird, gilt es, die personellen und infrastrukturellen Ressourcen der Gesundheitsversorgung strategisch optimal auszurichten.

Entwicklungen im Ausland können zudem Impulse für die Weiterentwicklung des Liechtensteinischen Gesundheitswesens liefern. So ist zu erwarten, dass die Digitalisierung sich auch im Gesundheitswesen durchsetzen und neue Möglichkeiten in der Leistungskoordination, der Vernetzung der Akteure, der Beurteilung von Qualität und Ergebnissen sowie der Unterstützung von Entscheidungen durch Health Professionals und Patienten ermöglichen wird. Neue medizinische Erkenntnisse werden personalisierte Therapien und damit eine höhere Effektivität der Gesundheitsversorgung ermöglichen. Trotz dieser Fortschritte wird es aber auch darum gehen, mittels evidenzbasierter Prävention, Gesundheitsförderung und Gesundheitskompetenz den Gesundheitszustand der Bevölkerung langfristig zu verbessern und zu erhalten sowie durch Beratungs- und Unterstützungsleistungen die Tragfähigkeit der informellen Gesundheitsversorgung in Familien und anderen sozialen Strukturen zu stärken.

Die verschiedenen Entwicklungstrends und Möglichkeiten sollen mit den jeweiligen Berufsgruppen und Einrichtungen diskutiert und an liechtensteinische Verhältnisse angepasst werden. Dies ist Ziel des Seminars.

Offene Diskussion
Initiantin des Programms ist die Regierung, welche die UFL beauftragt hat, hierzu ein fundiertes Konzept zu entwickeln. Die UFL ist seit über 10 Jahren als wissenschaftliche Institution im Gesundheitssektor etabliert und versteht sich als Think Tank. Sie bietet die wissenschaftliche und politisch neutrale Plattform für den interdisziplinären Austausch unter den Berufsgruppen im liechtensteinischen Gesundheitswesen. Unter der Projektleitung von Univ.-Prof. Dr. Bernhard Güntert werden die Diskussionen moderiert, die Diskussionsbeiträge dokumentiert und an die teilnehmenden Akteure berichtet. Neben den Einzelseminaren der verschiedenen Berufsgruppen werden die Fakten anschliessend in zwei Workshops zusammengetragen und als Gesamtbericht mit Empfehlungen für künftige Reformen der Regierung vorgelegt und öffentlich präsentiert. Das Seminar dauert über zwei Semester und endet im Juni 2018. An den Diskussionen kann sich auch die liechtensteinische Bevölkerung beteiligen.