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Liechtensteiner Studie prüft Früherkennung von COVID-19 - UFL-Studierende Kirsten Grossmann im Forscherteam

Ein wissenschaftliches Konsortium unter der Leitung der Liechtensteiner Wissenschaftler Prof. Dr. Lorenz Risch, Dr. Martin Risch sowie Prof. Dr. David Conen startet dieser Tage eine wissenschaftliche Studie im Wettlauf gegen das Coronavirus, die COVI-GAPP-Studie.

Die Studie soll klären, ob mit einem sensorischen Armband, das bereits erfolgreich für die Beobachtung des weiblichen Zyklus eingesetzt wird, die Früherkennung einer Covid-19-Infizierung möglich ist. Eine Früherkennung ermöglicht eine rasche Isolation und eine gezielte Versorgung der Patientinnen und Patienten. Sie schützt zudem das Gesundheitspersonal und schont die begrenzten Ressourcen des Gesundheitssystems.

 

Erste Ergebnisse sind im Herbst zu erwarten. Ziel ist es, Forschungsergebnisse vor Beginn einer allfälligen zweiten Infektionswelle im Herbst 2020 vorliegen zu haben, um dann gegen die weitere Ausbreitung von Covid-19 wirksam vorgehen zu können.
Professor Lorenz Risch, Initiant und Leiter der Studie und Stiftungsratsmitglied der UFL, betont: «Aus wissenschaftlicher Sicht ist es von entscheidender Bedeutung, so schnell wie möglich ein besseres Verständnis des neuen Coronavirus zu erlangen. Nur so sind wir in der Lage, die richtigen klinischen und gesundheitspolitischen Massnahmen zu ergreifen, um die Gesundheit der von Covid-19 betroffenen Personen zu verbessern und den internationalen Gesundheitsnotstand wirksam einzudämmen. Eine zuverlässige Früherkennung von Covid-19 hilft im Wettlauf gegen eine weitere Ausbreitung. Dazu will unsere COVI-GAPP-Studie zusammen mit unserem Partner Ava einen Beitrag leisten.»

 

Die Studie wird unterstützt von der Ärztekammer Liechtenstein, der Universität Basel, der McMaster University Hamilton (Canada) sowie der Privaten Universität im Fürstentum Liechtenstein (UFL).

Im Studienteam ist auch Kirsten Grossmann vertreten, welche derzeit ihr Doktoratsstudium an der UFL absolviert. Wir haben bei ihr nachgefragt.

 

Frau Grossmann, was ist Ihre Aufgabe ihm Rahmen der Studie?

Als Teil des Studienteams der COVI-GAPP Studie fallen derzeit viele unterschiedliche Aufgaben an. Einerseits geht es darum, organisatorische Abläufe zu definieren und aufzugleisen. Andererseits sind wir dabei, die vielen Anfragen rund um die COVI-GAPP Studie entgegenzunehmen und zu beantworten. Gemeinsam mit meiner Kollegin am Universitätsspital in Basel und dem Team der Ava AG versuchen wir, die Studienabläufe zu koordinieren, um schnellst möglich mit den ersten Probanden loslegen zu können.

 

Warum wurde Liechtenstein für die Studie gewählt?

Wir sind in Liechtenstein glücklicherweise in der Lage, ein bestehendes Studien-Setting mit Probanden, die mit solchen Studien bereits Erfahrung haben, zu nutzen. Dadurch kann die Covid-19-Studie sofort gestartet werden. Die wissenschaftliche Qualität der GAPP-Studie ist durch ihre Träger, das führende schweizerisch-liechtensteinischen Labormedizinische Zentrum Dr. Risch und die Erfahrungen aus der ersten GAPP-Studie gewährleistet. Die Ergebnisse aus der Liechtenstein COVI-GAPP-Studie werden auch für andere Länder relevant sein und darum allen Interessierten zur Verfügung gestellt.

 

Wie lange muss die Studie laufen, um die gewünschten Erkenntnisse zu erhalten?

Die Laufzeit ist weniger wichtig als die Anzahl TeilnehmerInnen (je mehr TeilnehmerInnen desto bessere Ergebnisse). Mit rund 2000 Probanden startet die COVI-GAPP-Studie bereits mit einer tragfähigen Basis, um zu repräsentativen Ergebnissen zu kommen.

Wenn alles nach Plan läuft, erwarten wir Ergebnisse im vierten Quartal 2020. Sollte es zu einer 2. Infektions-Welle kommen, hoffen wir, dann mit unseren Früherkennungsgeräten im Markt zu sein.

 

Aktuell flacht die Zahl der Ansteckungen ab. Macht die Studie da überhaupt noch Sinn?

Die Zahl der Ansteckungen war in Liechtenstein bisher tatsächlich und glücklicherweise relativ klein. Das heisst aber auch, dass wir keine Herdenimmunität haben und auf Frühwarnsysteme angewiesen sind. Da die Anzahl sowohl von Fällen aber auch Kontrollen relevant ist, haben wir uns auf europäischen Niveau vernetzt. In diesem vernetzten setting werden aller Voraussicht nach genügend Ansteckungen zu verzeichnen sein, um einen Algorithmus für eine bessere Früherkennung zu entwickeln.  

 

Was, wenn das Projekt floppt? 

Die wissenschaftliche Forschung lebt mit der Perspektive, dass man nicht genau weiss, was wirklich das Ergebnis sein wird. Wir überprüfen die erwähnten Hypothesen und hoffen auf Erkenntnisse, die uns weiterbringen. Covid-19 erfordert jedoch aufgrund der bedrohlichen Situation jetzt dezidiertes Handeln. Das Risiko, zu scheitern, muss man akzeptieren, sonst ist Fortschritt nicht möglich. Scheitern heisst aber nicht, wenn man eine Hypothese nicht bestätigen kann und sogenannt negative Resultate erzielt.  Scheitern wäre, wenn wir nicht in der Lage wären, das Projekt durchzuziehen.  

 

Weitere Informationen zur Studie finden sich unter www.covi-gapp.li

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