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Wissenschaftsgespräche Triesen 2026: Einblicke in die Forschung zu Gesundheit, Risikofaktoren und Prävention

Die Private Universität im Fürstentum Liechtenstein (UFL) lud am 23. April 2026 zu den 6. Wissenschaftsgesprächen Triesen in den Gemeindesaal Triesen ein. Im Fokus standen aktuelle Erkenntnisse aus der medizinischen Forschung von kardiovaskulären Risikofaktoren bis hin zur personalisierten Medizin. Zwei Forschungsinstitute der Medizinisch-Wissenschaftlichen Fakultät der UFL gaben dabei Einblicke in ihre Arbeit. Das Institut für Labormedizin (ILM) in die GAPP-Studie, das Institut für Translationale Medizin (ITM) in das Projekt Referenz-Genom Blutgruppen.

Mit den Wissenschaftsgesprächen Triesen bietet die UFL eine Plattform für die Bevölkerung, um auf verständliche Weise mit komplexen wissenschaftlichen Themen in Berührung zu kommen. Im Zentrum standen in diesem Jahr vertiefte Einblicke in Studiendesign, zentrale Ergebnisse und die gesellschaftliche Relevanz der präsentierten Projekte.

«Gerade in einer Zeit schneller Veränderungen und Unsicherheiten, gewinnt der Austausch zwischen Wissenschaft und Bevölkerung noch stärker an Bedeutung. Voraussetzung dafür ist die Freiheit von Forschung und Lehre, denn nur in einem Umfeld wissenschaftlicher Unabhängigkeit kann ein offener, kritischer und erkenntnisorientierter Austausch stattfinden.», betonte Rektorin, Dr. phil. Barbara Gant, in ihrer Begrüssung. 

Prof. Dr. sc. nat. Thomas Meier, freier wissenschaftlicher Mitarbeiter am Liechtenstein-Institut und Präsident der Akademie der Wissenschaften in Liechtenstein e.V., konzipiert die Wissenschaftsgespräche und übernahm auch in diesem Jahr wieder die Moderation. Durch Fragen an die Vortragenden wurde das Publikum aktiv einbezogen und durch die zentralen Themen der Veranstaltung geführt. In der Pause hatten die zahlreichen Teilnehmenden die Möglichkeit, sich aktiv mit den Themen der Wissenschaftsgespräche auseinanderzusetzen. So wurde etwa ein Kartenspiel angeboten, bei dem Interessierte spielerisch mehr über die verschiedenen Blutgruppenmerkmale lernen konnten. Ziel des Kartenspiels ist es, mit einer begrenzten Menge von Blutkonserven so viele Patienten wie möglich zu retten. Poster und digitale Modelle boten die Gelegenheit, sich direkt vor Ort über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu informieren und mit den Forschenden ins Gespräch zu kommen. Teilnehmende hatten ausserdem die Gelegenheit, sich ihre Blutdruckwerte messen zu lassen und die neuesten Wearables kennenzulernen, um die Bedeutung der Blutdruckmessung und deren Einfluss auf die kardiovaskuläre Gesundheit selbst zu erfahren.

Die GAPP-Studie, ein liechtensteinischer «Leuchtturm» in der medizinischen Forschung 

Die GAPP-Studie ist eine der umfassendsten populationsbasierten Langzeitstudien zu kardiovaskulären Risikofaktoren in Europa. Seit 2010 begleitet sie über 2’000 junge Erwachsene aus Liechtenstein und liefert einzigartige Daten zur Entstehung von Bluthochdruck, Stoffwechselerkrankungen und weiteren Risikofaktoren. Besonders wertvoll ist der longitudinale Ansatz: Durch wiederholte Untersuchungen über viele Jahre hinweg können Veränderungen im Zeitverlauf präzise analysiert und die Entstehung individueller Risikoprofile besser verstanden werden.

Die Studie kombiniert klassische klinische Untersuchungen mit modernen Technologien. Neben Blut- und Urinanalysen kommen verschiedenste Messmethoden einschliesslich Wearables zum Einsatz, um die Entwicklung von Messgrössen über die Zeit zu erfassen. Diese ermöglichen differenzierte Auswertungen, von genetischen Einflüssen bis hin zu Umwelt- und Lebensstilfaktoren.

Die wissenschaftliche Relevanz der GAPP-Studie zeigt sich in über 60 internationalen Publikationen sowie in der Einbindung in Forschungskonsortien. Die gewonnenen Erkenntnisse leisten einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Präventionsmedizin und liefern konkrete Ansätze für eine frühzeitige Erkennung und gezielte Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Das Institut für Labormedizin (ILM) unter der Leitung von Prof. Dr. med. Lorenz Risch, ist ein junges Forschungsinstitut im Bereich der kardiovaskulären Medizin und der Präventionsforschung. Das ILM hat sich auf die Untersuchung von Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen spezialisiert und nutzt modernste labormedizinische Methoden, um Erkenntnisse bezüglich Diagnostik und Prävention zu erhalten, welche die klinische Praxis beeinflussen können. 

«Die GAPP-Studie ermöglicht uns tiefgehende Einblicke in die Entstehung kardiovaskulärer Risikofaktoren. Mit jedem Schritt dieser Langzeitstudie verstehen wir diese besser und können präventive Ansätze gezielt schärfen, um die Gesundheit des Einzelnen sowie die der Bevölkerung positiv zu beeinflussen.» betonte Prof. Dr. med. Lorenz Risch in seiner Einführung.

Referenz-Genom Blutgruppen – neue Grundlagen für genetische Präzisionsdiagnostik und Transfusionssicherheit

Das Projekt «Referenz-Genom Blutgruppen» wurde im zweiten Vortrag von Prof. Dr. rer. nat. Christoph Gassner vorgestellt. Es legt erstmals eine systematische molekulargenetische Referenz für Blutgruppenvarianten in der liechtensteinischen Bevölkerung vor. In einer populationsbasierten Studie wurden die Blutgruppen-Gene von knapp 500 Blutspenderinnen und -spendern mit modernen molekulargenetischen Verfahren untersucht. Für einen Teil der Proben kam zudem eine der derzeit fortschrittlichsten Sequenziermethoden (PacBio) zum Einsatz, die besonders lange Abschnitte der DNA am Stück und mit hoher Genauigkeit lesen kann und dadurch auch komplexe genetische Varianten besser sichtbar macht.

Ziel des Projekts ist es, die genetische Vielfalt transfusionsrelevanter Blutgruppensysteme umfassend zu erfassen und perspektivisch als Referenzdatensatz nutzbar zu machen. Die hochauflösenden Analysen ermöglichen die Identifikation sowohl häufiger als auch seltener und bislang wenig charakterisierter Varianten. Dadurch lassen sich individuelle Blutgruppenprofile präziser bestimmen und die Kompatibilitätsdiagnostik in der Transfusionsmedizin verbessern.

Gleichzeitig schafft das Projekt eine Grundlage für die gezielte Identifikation von Blutspenderinnen und -spendern mit seltenen Blutgruppeneigenschaften. Dies ist insbesondere für Patientinnen und Patienten mit Antikörpern gegen häufige Blutgruppenantigene von grosser Bedeutung. Das Institut für Translationale Medizin (ITM) verbindet damit Grundlagenforschung mit konkreter klinischer Anwendung und trägt langfristig zu einer verbesserten Blutversorgung bei.

Im Einführungsvortrag von Dr. Martin Wipplinger wurde die medizinische Bedeutung von Blutgruppen über die Transfusionsmedizin hinaus beleuchtet. Anhand ausgewählter Beispiele zeigte er auf, dass Blutgruppensysteme auch in anderen klinischen Kontexten eine Rolle spielen – etwa in der Schwangerschaft, bei Infektionskrankheiten sowie im Zusammenhang mit dem Mikrobiom und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Darüber hinaus wurden einzelne genetische Varianten mit spezifischen Krankheitsbildern in Verbindung gebracht, was die Bedeutung von Blutgruppenmerkmalen im Rahmen systembiologischer Zusammenhänge unterstreicht.

Die aktuelle Forschung zeigt, dass der Einfluss von Blutgruppen – bzw. der zugrunde liegenden Proteine – weit über die Transfusion hinausgeht und wichtige Rollen in diversen biologischen Prozessen spielt. Damit eröffnen sich neue Perspektiven für die personalisierte Medizin», erklärte Dr. Martin Wipplinger, Postdoc am ITM, im Rahmen seines Vortrags. 

Prof. Dr. rer. nat. Christoph Gassner ergänzte im zweiten Vortrag, dass gerade neu beschriebene Blutgruppensysteme häufig zunächst durch auffällige serologische Befunde sichtbar werden; erst die weitere Untersuchung der betroffenen Personen zeige dann zusätzliche biologische Besonderheiten und teils klinisch relevante Zusammenhänge.

Dank

Die UFL dankte insbesondere der Gemeinde Triesen sowie dem Verein «Akademie der Wissenschaften in Liechtenstein e.V.» für die Unterstützung und die Zusammenarbeit. Ihr Engagement trug wesentlich dazu bei, den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit zu fördern. 

Uns ist es ein grosses Anliegen mit unserer Veranstaltung den Austausch zwischen Forschung, Politik und Gesellschaft gezielt zu fördern und die Bedeutung von Wissenschaft als zentralem Pfeiler für die nachhaltige Entwicklung Liechtensteins in den Fokus zu rücken. Wir freuen uns über die rege Teilnahme und das Interesse. 

Die 7. Wissenschaftsgespräche 2027 sind für den 22. April 2027 geplant und finden im Gemeindesaal Triesen statt.

Weitere Informationen
Rebekka Wehrer, Leiterin Kommunikation; rebekka.wehreruflli 
UFL, Dorfstrasse 24, FL-9495 Triesen, Telefon +423 392 40 10
www.ufl.li

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